WELCOME TO THE WHITE HOTEL - Dorota Lukianska

WELCOME TO THE WHITE HOTEL - Dorota Lukianska
4 Apr 2013 - 11 Apr 2013

 

 

Vernissage: Do. 4. April 2013

von 18 - 22 h

 

Öffnungszeiten:

5 April - 11 April

von 14-17 h

 

oder nach telefonischer Vereinbarung 0176 - 70 910 707

 

DOROTA LUKIANSKA USES PHOTOGRAPHY, FILM, INSTALLATIONS AND FOUND

OBJECTS TO INVESTIGATE NOTIONS OF TIME, SPACE AND RETROSPECTION. HER

PROJECTS (WELCOME AND FAREWELL (2006-2011), TRANSITORINESS (2012),

WHITE HOTEL (2012-)) DEAL WITH AN AMBIT BETWEEN NOW AND THAN, REALITY

AND FICTION, WHAT IF AND WHY. IN COMBINING FOUND IMAGES AND OBJECTS

WITH NEWLY PRODUCED MATERIAL, LUKIANSKA CREATES A SUBJECTIVE AND

AMBIGUOUS VERSION OF EVENTS WITH A RANGE OF POSSIBLE INTERPRETATIONS.

 

It could be any day, in any city. We are in any hotel. An artificial population of workers and guests representing immeasurable pasts and as many future destinations simultaneously arrive and depart. Endlessly. The chances that these individuals know one another or interact as such are slim at best. It is only the particularities of place, time and desire that have situated them together. Temporarily. What produces the collective lure towards places that advertise vacancy? As locations, languages and objects shift around us, the twin voids of loss and longing brought on by our newfound foreignness and nostalgia are actually anything but vacant. We might instead wonder how can there be enough space for all of our memories. Could a single object contain them, or would it require an entire room full of objects? A hotel full of rooms? What memories, which guests, and who’s objects would have to depart before check-out time to move on and make space for new ideas to materialize?

Dorota Lukianska uses these questions to shape her investigative art practice, which renders the material links between found objects, migration patterns and degrees of emotional despair. Through a combination of text, photography, drawing and collage, Lukianska has developed a unique form of social sculpture that is able to travel between our interior psyches and external environments. She is fascinated by paradox. In her work, the reality of our human condition is laid bare to confront the mystery of our existence.

The metaphor of a hotel - its architecture, its inhabitants and its raison d'être - transforms the exhibition space into a place where a collection of seemingly unrelated objects are suspended mid-journey. The five works that comprise Welcome to the White Hotel are like travelers. They represent specific entry and departure points for thinking through questions of loss, longing and the aesthetics of relations.

Megan Steinman

 

Deutsch:

Dorota Lukianska: "Welcome to the White Hotel"

Wir befinden uns in irgendeinem Hotel. An einem beliebigen Tag. In irgendeiner Stadt. In einer zusammengewürfelten Gemeinschaft aus Angestellten und Gästen mit ihren zahllosen unterschiedlichen Geschichten, die eintreffen oder abreisen. Ununterbrochen. Es ist kaum anzunehmen, dass diese Individuen sich untereinander kennen oder sich wie eine festgefügte Gruppe verhalten. Lediglich dieser Ort zu einem gewissen Zeitpunkt und der Wunsch, hier zu sein, hat sie zusammengebracht. Vorübergehend.

Wie entsteht eine gemeinsame Sehnsucht nach einem bestimmten Ziel, an dem wir einen freien Platz für uns erwarten? An unbekannten Orten, umgeben von fremden Sprachen und Dingen, entwickeln wir Gefühle von Verlust und Sehnsucht. Durch unsere plötzlich empfundene Fremdheit fühlt sich dieser von uns eingenommene Platz alles andere als frei an. Wir könnten uns stattdessen fragen, wie all unsere Erinnerungen hier hineinpassen sollen. Kann ein einziges Ding sie enthalten, oder braucht es einen ganzen Raum voller Dinge? Ein Hotel voller Zimmer? Welche Erinnerungen, welche Gäste, wessen Dinge müssten sich vor dem Check-out-Termin entfernen, damit Raum für neue Ideen geschaffen wird?

Solche Fragestellungen sind der Motor von Dorota Lukianskas Kunst. Mit Texten, Fotografien, Zeichnungen und Collagen hat die Künstlerin eine einzigartige Form von sozialer Skulptur geschaffen, die sich zwischen der Psyche Einzelner und deren Umgebung bewegt. Widersprüchliches fasziniert Lukianska. In ihren Arbeiten ergründet sie die menschlichen Befindlichkeiten, um dem Geheimnis unserer Existenz auf die Spur zu kommen.

Mithilfe der Metapher eines Hotels, seiner Architektur und den sich darin bewegenden Personen wird der Ausstellungsraum zu einem Versammlungsort scheinbar nicht zusammengehöriger Objekte, die sich inmitten ihrer Reise durch das Dasein befinden. Die fünf Arbeiten in "Welcome to the White Hotel" repräsentieren Reisende mit unterschiedlichen Ankunfts- und Abreisezeiten. In ihnen steckt immer eine Frage, die sich mit Verlust- und Sehnsuchtsgefühlen und der Kultur von Beziehungen beschäftigt.

Das Mysterium der menschlichen Existenz zeigt sich in ungelösten Navigationsgleichungen aus einem alten, von der Künstlerin gefundenen Seefahrerbuch ("Mathematical Drawings“), das sich um sich selbst drehende, ebenfalls gefundene archäologische Objekt steht stellvertretend für ein von der Außenwelt abgeschnittenes Indiviuum („What About Longing and Loneliness?"). Unveröffentlichte, aus dem Kontext gerissene Buchfragmente und Zeichnungen der Künstlerin spüren der unerklärlichen Melancholie nach ("New Moments of Unpublished Sheets"), ein Feigenbaum wird als Vertreter eines seiner Umwelt angepassten Wesens von der Künstlerin zu einem Zwiegespräch ausgesucht ("The White Hotel Tree"), und diverse zusammengestellte Fundstücke bergen in sich eine Unzahl von existenziellen Fragen ("Objects for White Hotel").

Viele Jahre lang hat Dorota Lukianska das Meer als Metapher benutzt, um unsere hypermobile Lebensart zu visualisieren. Es fasziniert sie, wie das Wasser Menschen von einem Land und geliebten Personen trennen kann, wo es doch so leicht zu überwinden ist, und wie diese Trennung jemanden für immer verändert. "Welcome to the White Hotel" zeigt eine Verlagerung ihres Schwerpunkts ins Land hinein. Nach innen. Zum Kern. Wo vorher ein abgesteckter Weg mit wechselnden Strömungen lag, befindet sich nun ein endloser Ozean menschlicher Empfindungen. Die Verortung beider Räume bleibt das wesentliche zu bearbeitende Thema.

Megan Steinman

(Verkürzte deutsche Fassung aus dem Englischen von CSuhr)